Wie Die Arbeit So Das Leben

„Meine Güte, siehst du mies aus“, äußerte ein Arbeitskollege nach einem besonders ätzenden Tag im Büro.
Nette Bemerkung – doch leider genau ins Schwarze getroffen.

Vom täglichen Einerlei in der Büro-Tretmühle fertig zu sein, war mittlerweile Alltag, und zwar nicht nur für mich, sondern offensichtlich auch für alle anderen Kollegen, mit denen ich zu tun hatte.

Selbst das lockere Treffen nach der Arbeit hatte sich nach und nach zu einer traurigen Versammlung desillusionierte Leute entwickelt, die nur noch darüber sprachen, wer seinen Job am meisten hasste und wer deswegen am schlechtesten aussah. Niemand verzog auch nur eine Miene bei diesen Bemerkungen, denn anscheinend ist es völlig normal, das miserable Aussehen eines Freundes zu kommentieren, wenn dies auf einen zermürbenden Tag im Büro zurückzuführen ist.

Doch am schlimmsten wurde es anschließend, wenn das allgemeine Jammern ein Ende hatte und unsere Gruppe von Mitzwanzigern, alles Leute in den angeblich besten Jahren, kaum noch Energie für irgendwelche Feierabendaktivitäten aufbringen konnte. Manche waren zu erschöpft von einer Karriere unter Vollgas, für die man schon Superkräfte benötigte, andere waren zu erschöpft vom ewigen Einerlei eines langweiligen Arbeitsalltags, dessen Ödnis sich nach und nach auch auf das restliche Leben auszudehnen schien.

Soll ich mich vielleicht noch schickmachen, um nach Feierabend noch auszugehen? Vielleicht ein andermal. Soll ich mich nicht doch im Fitness-Studio anmelden, damit ich im Sommer fit bin? Wozu denn. Soll ich mich zusammenreißen und zu Hause aufräumen und ein paar Freunde einladen? Ach nein, diese Woche lieber nicht, ich habe einfach keine Lust.

An tausenden von Arbeitsplätzen überall im Land und auf der Welt haben Millionen von Angestellten das Gefühl, in einer Tretmühle zu stecken, ohne wirklich viel geschafft zu bekommen. Manche verschwenden Stunde um Stunde mit mühsamen Aufgaben, die man mit den richtigen Geräten und der richtigen Technologie viel schneller erledigen könnte, und andere rennen unablässig durch die Gegend, um Dutzende von Aufgaben und Anforderungen auf einmal zu bewältigen.
Desillusionierte Angestellte zählen die Tage, Stunden, Minuten und sogar Sekunden bis zum Feierabend, zum nächsten Urlaub oder selbst bis zur Rente, die meisten von ihnen Berufstätige, die ihre Fähigkeiten und Qualifikationen an eintönige Aufgaben verschwenden, die ihnen jegliche Motivation und Inspiration rauben.

Doch das Schlimmste ist, dass man nach Feierabend den Frust nicht wirklich hinter sich lassen und abschalten kann. Denn wenn man am Arbeitsplatz unzufrieden und unproduktiv ist, leidet garantiert auch das Privatleben darunter. Ist es nicht höchste Zeit, das zu ändern?

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